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Eine umfassende Darstellung der österreichisch-ungarischen Außenpolitik unter Gustav Graf Kälnoky stellt noch immer ein Desiderat der internationalen Geschichtsforschung dar. Dies ist umso erstaunlicher, als Kälnoky der am längsten amtierende Außenminister unter Kaiser Franz Joseph war. Die Abhandlung, die sich neben ausführlichem Aktenstudium auch auf parlamentarisches Quellenmaterial stützt, beginnt mit dem diplomatischen Werdegang des Protagonisten. München, Berlin, London, Rom, Kopenhagen und St. Petersburg waren seine Stationen gewesen, bis er im Herbst 1881 zum k.u.k. Minister des Äußern berufen wurde. In den ersten Jahren seiner Amtszeit als Minister baute Kälnoky das Bündnissystem seiner beiden Vorgänger, Andrässy und Haymerle, kontinuierlich aus: 1882 schloß er gemeinsam mit Deutschland und Italien den schicksalhaften Dreibundvertrag, 1883 gemeinsam mit Bis-marck die rumänische Allianz ab. Kälnoky versuchte auch mit Rußland auf gutem Fuß zu bleiben. Die 1881 ins Leben gerufene Dreikaiserallianz zerbrach schließlich am Gegensatz in der orientalischen Frage. Nach Bismarcks Entlassung galt der k.u.k. Außenminister als führender Diplomat in Europa. Von 1890 bis 1892 stand er auf dem Höhepunkt seiner Macht. Die russisch-französische Entente, die Regierungskrisen in beiden Reichshälften, das Desinteresse Berlins, England enger in die Trippelallianz einzubinden sowie die tschechische und vor allem ungarische Opposition gegen seine Politik ließen Kälnoky schließlich resignieren. Im Mai 1895 stürzte er über eine Affäre zwischen Ungarn und dem Vatikan. Kälnoky überlebte seine Demission nicht einmal drei Jahre. Er verstarb am 13. Februar 1898 vereinsamt auf seinem Gut in Mähren. Dr. Walter RAUSCHER ist Historiker am Österreichischen Ost-und Südosteuropa-Instituts in Wien.
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Biblioteka Austriacka
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