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Meine Eltern legten mich, ihren Fehltritt, unter ein weißes Emailleschild, auf welchem in schwarzer Schrift stand: „L'Empereur — Allemand" Der Kaiser — Deutsch, und darunter: Hebammen. Sie waren Mutter und Tochter, letzte Vertreterinnen einer altehrwürdigen Hebammendynastie. Nicht ganz so alt wie die Hebammen Preußens, die „Kaiser — Deutsch", die Hohenzollern, aber nicht minder standesbewußt. Das große L vor dem großen E bedeutete eine Adelsform. Darum war ich genau am richtigen Platze, denn madame L'Empereur und madame Allemand hebammierten nur die gehobenen Stände, bis hinauf zu den Marquisen. Ich selbst war ebenfalls eine blaublütige Gründung weiblichen Geschlechts. Ich danke meinen Gründern, daß sie mich unter besagtes Emailleschild in Straßburg im Elsaß legten. Hätten sie mich zum Beispiel unter ein ähnliches Schild in München gelegt, wäre ich ein bayerischer Schandfleck geworden. Aber mein illustrer Papa war von Beruf Diplomat, er kannte die feinsten Sprachunterschiede. Zunächst lag ihm nichts mehr am Herzen, als aus mir, seinem illegitimen Fehltritt, ein eheliches Kind zu machen. Was vermochte ein scharmanter Diplomat um die Jahrhundertwende nicht alles in Straßburg zu erreichen? Straßburg hatte zwar damals deutsche Soldaten — es liebte aber französisch. Über dem deutschen Generalkommando und dem französischen Palais Rohan erhob es seinen langen, gotischen Finger: den Münsterturm. Papa kaufte für mich in Straßburg eine amtlich beglaubigte Familie aus Papier ein, die er Weiß nannte. Sie war so komplett wie ein Besteck im Samtetui: Messerpapa Weiß, Löffelmama Weiß, Gabelkind Weiß. Mon oncle, wie ich fortan meinen leiblichen Papa zu nennen hatte, ließ mich römisch-katholisch taufen.
Status dostępności:
Biblioteka Austriacka
Są egzemplarze dostępne do wypożyczenia: sygn. 830-3 mg (1 egz.)
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